Vorreiter mit Verbesserungsreserven

Vorreiter mit Verbesserungsreserven

Forschungsgruppe Metrik stellt Ergebnisse der Klientenumfrage von Kompass Leben e.V. vor

HERBSTEIN (pm). Mit Spannung erwartet wurden bei Kompass Leben e.V. die Ergebnisse der Klienentenumfrage in allen Werkstätten des sozialen Dienstleisters. Von März bis Juni dieses Jahres hatte eine Studierendengruppe der Alsfelder Max-Eyth-Schule in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Metrik an die 300 Mitarbeitenden in den Werkstätten für Menschen mit Behinderung in Alsfeld und Herbstein und in den Reha-Werkstätten Alsfeld und Lauterbach interviewt.

Nun stellte Prof. Dr. Winfried Zinn vor einem Gremium aus Einrichtungs- und Werkstattleitung, Sozialdienst und Werkstattrat sowie in Anwesenheit von Sabine Fath-Keller, stellvertretende Abteilungsleiterin der Max-Eyth-Schule, seine Auswertung vor. Das Ergebnis zeigte eine große Zufriedenheit bei allem rund um das Arbeitsangebot, offenbarte aber auch Schwächen, die Kompass Leben e.V. nun angehen möchte.

Frank Haberzettl, als Vorstand von Kompass Leben e.V. verantwortlich für den Werkstattbereich, eröffnete den Vormittag. Man habe weitreichende, strukturelle Fragen gestellt und sei gespannt auf die Antworten und was daraus folgen könne, übergab er das Wort an Prof. Zinn, der seinerseits Fath-Keller um die Einschätzung der Befragung aus Sicht der Studierenden der Fachschule Sozialwesen bat. „Es hat durchweg gutes Feedback gegeben“, so die Projektverantwortliche der Schule. Die Studierenden hätten selbst viel dabei gelernt und hätten den Umgang mit den Menschen mit Unterstützungsbedarf sehr geschätzt, gerade weil hier andere Interviewtechniken – beispielsweise Antworten mit Piktogrammen, besondere Berücksichtigung der Konzentrationsfähigkeit – zur Anwendung kommen. Für die Befragten wiederum sei es sehr wichtig gewesen, ihre Antworten neutralen Personen geben zu können.

„Neutralität und Professionalität sind wichtige Bestandteile einer qualifizierten Umfrage“, unterstrich der Referent, der betonte, wie wichtig es sei, auch bei Menschen mit Behinderung deren Einschätzung zu erfragen, ihre Sichtweise auch auf lang eingespielte Prozesse zu sehen und dies für die Abläufe in den Werkstätten zu hinterfragen und gegebenenfalls auch umzusetzen.

Zunächst stellte Zinn noch einmal die Fragebögen und die gestellten Fragen vor. Von 516 Fragebögen seien 295 ausgefüllt worden. Mit dem Rücklauf von 57% können man durchaus zufrieden sein, so der Experte. Ziel der Umfrage war es, in allen relevanten Bereichen sowohl die Zufriedenheit der Klienten zu ermitteln als auch die Wichtigkeit der einzelnen Bereiche für die Menschen. Das versierte Institut übersetzte die Antworten in Prozentwerte und war somit in der Lage, sehr genaue Angaben darüber zu machen – von übergeordneten Bereichen wie dem Arbeitsangebot in der gesamten Organisation bis hin zu einer Differenzierung in die einzelnen Abteilungen an den einzelnen Standorten. Hier wurden teilweise große Unterschiede sichtbar, denen die Verantwortlichen nun nachgehen müssen.

Als besonders erfreuliches Ergebnis konnte Zinn eine hohe Zufriedenheit mit dem Arbeitsangebot ableiten. Da diese Frage auch in der Bedeutung für die Klienten eine hohe Relevanz hat, treffen zwei wichtige Kriterien zusammen, die Kompass Leben hier eine sehr gute Note ausstellen. „Besser als knapp 90% auf der Zufriedenheitsskala kann man kaum werden“, attestierte der Referent von Metrik den Anwesenden. Dennoch müsse man an diesem hohen Niveau auch weiterarbeiten. Große Zufriedenheit herrscht auch in den Bereichen Fahrdienst, beruflichen Bildung und arbeitsbegleitende Angebote, wie Zinn ausführte. Für einen Ausbau der Klientenzufriedenheit schaute er dann auf einen Bereich, der von den Klienten mit einer hohen Wichtigkeit bedacht war, gleichzeitig aber Verbesserungspotential hat. Dies sind der Umgang mit der Förderplanung und die Transparenz mit den Bewertungsbögen zur Entlohnung, die regelmäßig ausgefüllt werden. Weiteren Aufschluss zur Einschätzung der Werkstattangebote lieferten freie Kommentare, die von den Interviewern ebenfalls abgefragt worden waren. Es handelte sich hier um einzelne Aussagen oder von mehreren Befragen wiederhole Statements, darunter beispielsweise das Thema Lautstärke in den Werkstätten und dem Speisesaal oder auch Zweifel an den Konsequenzen der Umfrage.

Für die anwesenden Verantwortlichen aus verschiedenen Werkstattbereichen waren einige Ergebnisse erfreulich, andere wiederum erfordern Korrekturen und eine gute und transparente Kommunikation. Da man die anonymisierten Ergebnisse zwar nicht auf die Personen herunterbrechen könne, aber doch auf die einzelnen Standorte und dortigen Bereiche, müssen man auch Gespräche führen, um Kritik noch genauer zu hinterfragen und zu ermitteln, wo man jetzt ansetzen werde. Vorstandsvorsitzende Katja Diehl und Vorstand Frank Haberzettl kündigten genau das an und versicherten, dass man die Umfrageergebnisse ernstnehme und gemeinsam mit allen Beteiligten an guten Ergebnissen arbeiten werde.

Abschließend lobte Professor Zinn Kompass Leben e.V. für seinen Mut, sich der Einschätzung der Klienten zu stellen und sich damit auch Kritik auszusetzen. „Wir stehen vor einem Wandel im Umgang mit behinderten Menschen“, so Zinn, „und es ist gut, dass ihre Wünsche und Bedürfnisse nun viel mehr in den Fokus rücken.“ Die Forschungsgruppe Metrik ist im ganzen Bundesgebiet unterwegs und sieht Kompass Leben e.V. als sozialen Dienstleister hier deutlich in einer Vorreiterrolle. Dass Kompass Leben e.V. dieser Rolle gerecht wird, werden Konsequenzen und Veränderungen zeigen, deren Wirksamkeit und Nachhaltigkeit nach etwa zwei bis drei Jahren – so der Rat des Experten – wieder abgefragt werden sollen.

Fotos: Traudi Schlitt

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